Digitale Transformation - Fluch oder Segen?

Alumni-Jahresanlass 2021

Endlich konnte der Alumni-Jahresanlass durchgeführt werden, nachdem er im Herbst 2020 wegen den Covid-Schutzmassnahmen um ein Jahr auf den 21.10.2021 verschoben werden musste. Die Unsicherheit und die Zertifikatspflicht haben dazu geführt, dass etwas weniger Alumni-Mitglieder der Einladung folgten als in früheren Jahren. Die Anwesenden konnten aber einen interessanten und humorvollen Abend geniessen.

Marc K. Peter, Dozent FHNW und Leiter des Kompetenzzentrums Digitale Transformation, zeigte in der Keynote „Die Arbeitswelt 4.0 nach Corona – die vergessenen Mitarbeitenden“ anhand der Forschungsprojekte zum digitalen Transformationsprozess in Schweizer KMU eindrücklich auf, was die Digitale Transformation für Auswirkungen auf die Mitarbeitenden hat und für wen der Transformationsprozess ein Fluch und für wen ein Segen ist. Ein Fluch für die Unternehmen, weil viel Arbeit auf die Geschäftsleitung zukommt und ein Segen für die Mitarbeitenden und Kunden, weil sie von der Nutzung profitieren können.
Braucht es überhaupt noch Büros oder kann man seinen Job auch von zuhause erledigen? Braucht es das mittlere Management noch oder kann man einen Teil dieser Mitarbeitenden einfach entlassen und das eingesparte Geld in eine Digitale Strategie stecken? Wie schaffen es Unternehmen, dass Mitarbeitende für sie arbeiten wollen und dafür unterdurchschnittliche Löhne akzeptieren?
Marc K. Peter stellte nicht nur provokative Fragen, sondern zeigte auch, mit welchen Instrumenten sich Firmen fit für die digitale Zukunft machen können.

Im ersten Praxis-Case zeigte Roberto Colacino von Accenture Interactive Schweiz anhand der vier Schweizer Unternehmen ON, Logitech, T-Bo und Galaxus , wie heute Produkte oder Brands vermarktet werden. Das Kundenerlebnis steht im Mittelpunkt. Es reicht nicht mehr, einfach eine Kampagne zu schalten und auf die Nachhaltigkeit eines Produkts hinzuweisen. Die Kunden wollen ein Erlebnis, das auf sie zugeschnitten ist und im Gedächtnis bleibt und die Mitarbeitenden wollen miteinbezogen werden.

Eindrücklich waren auch die Informationen und Zahlen beim zweiten Praxisbeispiel, wo Markus Dobbelfeld von Search & Co. und ehemals Geschäftsleitungsmitglied bei Vorwerk,  den Transformations-Prozess von der ersten Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung am Produkt „Thermomix“ aufzeigte inkl. Stolpersteine. Das ehemalige analoge Küchengerät der Firma Vorwerk ist heute ein multi-digitales Hightech-Gerät, wo man via Internet über 60‘000 Rezepte durchforsten, im Kühlschrank den Bestand abfragen und im verbundenen Shop die entsprechenden Zutaten bestellen und nachhause liefern lassen kann.
Die Frage „Wie koche ich ein Menu“ wurde durch die Frage abgelöst „Was koche ich heute“. Das „wie“ übernimmt der Themomix. Für die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle stellt sich die Frage, wie man das Wissen aus den erhaltenen Daten sinnvoll nutzen kann, wenn man weiss, dass z.B. Hannelore aus Stuttgart immer am Donnerstagabend Risotto kocht oder dass in der 2. Jahreshälfte in Nordportugal 400 T Thunfisch verkocht werden.

Valérie Savoy, Strategylab GmbH rundete den Anlass mit der Zusammenfassung und einem persönlichen Praxisbeispiel ab, das den Fluch und den Segen aufzeigte und eröffnete die Fragerunde aus dem Publikum an die Referenten und ergänzte die Antworten jeweils auch noch mit ihrem Fachwissen.

Unmittelbar nach dem Ende des ersten Teils kamen Patti Basler und Philippe Kuhn auf die Bühne. Patti Basler hatte allen Referierenden konzentriert zugehört, sich Notizen gemacht und in kürzester Zeit ein humorvolles Protokoll erstellt, dass sie in den nächsten ¾ Stunden in einem Mix mit ihrem Bühnenprogramm „Nachsitzen“ auf der Bühne präsentierte. Alle Referierenden fanden sich auf humorvolle Art wieder im spontanen Bühnenprogramm und der offizielle Teil endete mit vielen Lachern, aber auch mit Staunen über die Fertigkeit von Patti Basler, das Gehörte in so kurzer Zeit in eine Kabarett-Nummer zu verpacken, gereimt, verdichtet, vertont, präzis auf den Punkt und satirisch überhöht.

Anschliessend konnten sich die Teilnehmenden mit bekannten und neuen Alumni-Mitglieder, den Referierenden und den Künstlern beim Apéro riche austauschen und das wertvolle Netzwerk erweitern.

Wir freuen uns, euch alle im nächsten Jahr wieder zu sehen.