Alumni FHNW Themenabend @ Migros-Genossenschafts-Bund

"Verantwortung 4.0"

 

 

Der Alumni FHNW Themenabend "Verantwortung 4.0" fand am Montag, 23. Oktober 2017 im Hauptsitz vom Migros-Genossenschafts-Bund in Zürich statt. Rund 100 Alumni und Dozierende der FHNW nahmen an der interdisziplinären Veranstaltung mit Keynotes, Podiumsgespräch, Science Boulevard und anschliessendem Apéro teil.    

Frau Cornelia Diethelm, Direktorin für die Nachhaltigkeit und das Issue Management der Migros, eröffnete den Abend mit einer Keynote zur Herleitung des Begriffes "Verantwortung 4.0". Ziel dieses Mindsets ist es, dass die Prozesse der Digitalisierung und ein aktualisiertes Verständnis der Nachhaltigkeit in Beziehung zueinander gesetzt werden. Verantwortungsvolles Handeln tangiert das Verhalten, die Einstellung und das Mindset der Gesellschaft, der Unternehmen und des Individuums.   

Dass durch die disruptiven Technologien auch soziale und ethische Fragen, die uns direkt betreffen, geklärt werden müssen, zeigte der nächste Referent auf: Der Informations- und Maschinenethiker Prof. Dr. Oliver Bendel diskutierte im Rahmen seiner Keynote „Serviceroboter aus Sicht der Ethik“ die unterschiedlichen Typen von Servicerobotern (Haushalts- und Gartenroboter, Pflegeroboter, Sicherheits- und Überwachungsroboter u.v.a.) und stellte jeweils relevante Fragen aus Sicht der Bereichs- und Maschinenethik(en) vor. Der Dozent der FHNW stand jedoch nicht alleine auf der Bühne: Der humanoide Roboter mit den niedlichen Kulleraugen stellte sich als Pepper vor. Die Gäste freuten sich über den Auftritt von Pepper, der – wie Bendel später erklärte – ein Unterhaltungs- und Spielzeugroboter bzw. ein Companion-Roboter ist.  

Das im Anschluss stattgefundene interdisziplinäre Podium überzeugte nicht nur durch das Wissen der Fachexpertinnen und des Fachexperten, sondern auch durch die Kompetenz der Moderatorin Frau Rahel Walser, Redaktorin SRF. Neben Diethelm und Bendel diskutierten auch die Wirtschaftspsychologin der FHNW Frau Prof. Dr. Anne Herrmann und die Mitinhaberin von aebi+kuehni, Fachhoschulrätin der FHNW und Vizepräsidentin des VR des Migros-Genossenschafts-Bundes Frau Dr. Doris Aebi mit. Durch die unterschiedlichen Perspektiven konnten sowohl ökologische als auch soziale Aspekte der "Verantwortung 4.0" aus Sicht der Unternehmen, der Gesellschaft und des Individuums besprochen werden.  

Aebi betonte, dass wir es mit einem umgekehrten ökologischen Paradigma zu tun haben. Seitens der Unternehmen bedeutet der Begriff "Verantwortung", dass auch das Generationsmanagement als zentrale Aufgabe wahrgenommen wird.

Herrmann konstatierte, dass Verantwortung erst mal keine Pflicht sondern vielmehr eine Entscheidung sei, die man treffen müsse. In diesem Denkstil verankert, müsste sich somit der Konsument / die Konsumentin fragen: Was ist meine Pflicht und wem bin ich Rechenschaft schuldig?  

Dass der Arbeitsbegriff neu definiert werden müsse, betonte unter anderem Bendel. Die Roboter ersetzen nicht die Arbeit, sondern sie unterstützen und entlasten erstrangig. Jedoch wird es immer mehr intelligente Roboter geben, die uns ersetzen könnten. Daher stellt sich die Frage: Was tun wir, wenn wir ersetzt werden? In diesem Zusammenhang plädiert der studierte Philosoph und Informationswissenschaftler für eine revidierte Ideologie: Die Roboter könnten eine grosse Chance für uns sein, wenn wir das Leben komplett anders denken.  

Diethelm zeigte bereits anhand ihrer Keynote auf, dass die technologische Entwicklung exponentiell voranschreitet. Als Direktorin für die Nachhaltigkeit und das Issue Management der Migros setzt sie sich für ein neues Verständnis ein, welches die Nachhaltigkeit nicht mehr im klassischen Sinne versteht. Diese Übergangsphase sei für uns alle – die Unternehmen, die Gesellschaft, das Individuum – anspruchsvoll, da wir letztlich anders sozialisiert wurden.  

Das Podiumsgespräch zeigte eindrücklich auf, dass im Konstrukt "Verantwortung 4.0" verschiedene Akteure und Disziplinen gefragt und gefordert sind. Es ist keine Verantwortung, die weder aus juristischer Perspektive reguliert, noch von einer wissenschaftlichen Disziplin alleine gelöst werden kann. Es ist ein Zusammenspiel verschiedener Interessen, Disziplinen sowie Kompetenzen und letztlich trägt jede Person Verantwortung.  

Beim gemütlichen Apéro mit reichhaltigem Buffet fand ein reger Austausch über die Thesen der "Verantwortung 4.0" statt. Auch Pepper sorgte unter den Gästen für eine gute Stimmung – sei es mit einem „High-Five“ oder einem kleinen Tänzchen.  

Die Alumni FHNW bedankt sich sehr herzlich beim Migros-Genossenschafts-Bund für die hervorragende Partnerschaft sowie bei allen Mitwirkenden, die den spannenden und unterhaltsamen Herbstevent hervorbrachten.  

Über ein Feedback Ihrerseits freuen wir uns natürlich sehr.